Berichte 2017

Kirchenkreiskonferenz Herbst (17. November - 19. November)

Herbstkonferenz 2017
Postwachstumsgesellschaft - Zukunftsmusik oder Notwendigkeit

Wie soll und kann es weiter gehen mit dieser unseren einen Erde?!? Mit diesem doch sehr großem Thema beschäftigte sich die Evangelische Jugend im Kirchenkreis Regensburg auf ihrer Herbstkonferenz von 17.-19.11.2017 im Jugendhaus Krailing (Dekanat Cham). Können wir mit unserer Wirtschaft immer weiter wachsen um unseren Wohlstand zu erhalten oder gar zu steigern? Wer bezahlt dafür? Gibt es ein Limit? Wenn ja, wann ist es erreicht und was kommt dann? Braucht es eine Postwachstumsgesellschaft und wie könnte so etwas aussehen? Welche Verantwortung für die Schöpfung tragen wir als Christen in dieser Welt?

Das Wochenende warf viele elementare Fragen auf, denen die rund 30 Teilnehmenden auf den Grund gehen wollten und in Vorträgen, Gruppenarbeiten und Diskussionen bearbeiteten. Der Freitagabend galt dem Ankommen und Kennenlernen aller Konferenzteilnehmenden. Einen Themeneinstieg gab es mit Religionspädagogin Susanne Götte. Dabei haben wir uns spielerisch dem Thema Wachstum allgemein angenähert, Türme gebaut, Wachstumskurven gezeichnet sowie uns dem Wachstum in der Natur gewidmet. Mit einer Andacht zum Thema biblische Verantwortung für die Schöpfung beschlossen wir den Abend.

Am Samstag begrüßten wir Dr. Harald Klimenta in unseren Reihen. Er ist freiberuflicher Bildungsreferent, Publizist und Autor, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac Deutschland und engagiert sich für das Wachstumswende-Netzwerk. Klimenta setzt sich seit 20 Jahren intensiv mit Fragen des Welthandels, der Finanzmärkte und der Privatisierung auseinander. Den Vormittag über widmeten wir uns den Folgen und Auswirkungen unseres wohlstandsverheißenden Wirtschaftswachstums, der andernorts auf der Welt durchaus böse Nebenwirkungen auf Menschen und Natur hat. Ein anschauliches und griffiges Beispiel stellte der internationale Handel mit subventionierten Milchprodukten aus Europa dar. Deutsches Milchpulver ist trotz höherer Produktionskosten, Trocknung, Lagerung und Transport in Afrika günstiger als einheimische Milch. Es mag wirtschaftlich sinnig erschienen seine überschüssige Milch dorthin zu exportieren, doch ist es sinnvoll und ethisch vertretbar ferne, nicht konkurrenzfähige Märkte zu fluten? Am Nachmittag richtete die Konferenz ihr Augenmerk auf Vorreiter der Postwachstumsgesellschaft und friedliche wie kreative Protestformen. Dabei haben wir auch über eigene wirtschaftliche Zwänge, Werbung und Anreize zum Konsum/Wachstum auseinander gesetzt. Es gab Literaturempfehlungen und Harald Klimenta zeichnete ein Bild, wie eine Postwachstumsgesellschaft aussehen und funktionieren könnte. Sein Votum: Weniger Lohnarbeit, mehr Selbstversorgung; Weniger Konsum, mehr reparieren; Weniger Banker, mehr soziale Berufe und weniger Aktiengesellschaften, mehr Genossenschaftsmodelle. Abschließend überlegten wir auch intensiv, wie wir als Jugendverband und Konferenz nachhaltiger und verantwortungsbewusster agieren können. Mit einem Abendmahlsgottesdienst endete der thematische Teil unserer Herbstkonferenz 2017.

Der Sonntag stand im Zeichen unseres Geschäftsteils mit Berichten aus dem Geschäftsführenden Ausschuss, der Landesebene, der Ökumene und den Bezirksjugendringen. Dabei wählte die Konferenz neue Delegierte in die Bezirksjugendringe Niederbayern und Oberpfalz. Außerdem wurde ein nächstes Schwerpunktthema für die anstehende Frühjahrskonferenz von 9.-11.3.2018 in der Jugendtagungsstätte Rammelsbach (DB Passau) gesucht. Anschließend an das Thema Postwachstumsgesellschaft, möchte sich die Konferenz dem Thema nachhaltigem und fairem Essen widmen.

von Christian Betzl (Evangelisches Jugendwerk Passau)

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